Black Bismarck

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kolonialismus. Alle Mächte des alten Europas haben sich in Berlin versammelt, um Afrika unter sich aufzuteilen. Auf Einladung Otto von Bismarcks fand 1884/5 im Reichskanzlerpalais die sog. „Kongokonferenz“ statt, auf der willkürlich Grenzen durch den afrikanischen Kontinent gezogen wurden, die bis heute bestehen und immer wieder zu politischen Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen führen. Zugleich markiert dieses Datum den Beginn der dreißigjähren deutschen Kolonialherrschaft in den Gebieten des heutigen Togo, Kamerun, Namibia, Tansania, Burundi und Ruanda: Land- und Menschenraub, Ausplünderung von Ressourcen, Zwangsarbeit, Krieg und Genozid waren die Folge.

Die Berliner Ghostbusters von andcompany&Co. haben sich auf die Suche nach den Kolonialgeistern begeben: eine Schrebergartensiedlung, mehrere Straßenzüge, ja ein ganzes Stadtviertel und eine bekannte Supermarktkette werden auch heute noch, fast hundert Jahre nach dem offiziellen Ende des deutschen Kolonialismus von ihnen heimgesucht. Eine U-Bahnstation in der Nähe des ehemaligen Reichskanzlerpalais scheint das Tor zur Unterwelt zu sein: Fürst Bismarck, der in Friedrichsruh keine letzte Ruhe fand, geht dort um als ‚weißer Mann‘: Weißer Mann, was nun?

Black Bismarck Trailer

Mitwirkende

Von und mit: Dela Dabulamanzi, Simone Dede Ayivi, Alexander Karschnia, Nicola Nord, Gorges Ocloo, Joachim Robbrecht, Sascha Sulimma&Co.

Dramaturgie: Alexander Karschnia&Co.
Bühne: Jan Brokof&Co.
Licht: Gregor Knüppel&Co.
Video: Kathrin Krottenthaler&Co.
Kostüm: Raki Fernandez&Co.
Regieassistenz: Mascha Euchner-Martinez
Bühnenbildassistenz: Julia Harttung
Technische Leitung: Marc Zeuske
Company Management: Katja Sonnemann

Eine Produktion von andcompany&Co. in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer (Berlin), deSingel Antwerpen, FFT Düsseldorf, Ringlokschuppen Mülheim und dem Theater im Pumpenhaus Münster.
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und die Kunststiftung NRW.

  • Alexander Karschnia

    Theatermacher und Autor, Kurator und Gelegenheitsdramaturg. Mitbegründer von andcompany&Co., wo er als Ko-Regisseur und Performer mitwirkt. Er schreibt über und für Theater, u.a. über Brecht, Müller, Schlingensief, Pollesch. Zu seinen Jugendsünden zählen die Erfindung der Frankfurter NachtTanzDemos und die Übernahme von Schlingensiefs Partei CHANCE 2000. Seine Arbeiten zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus beinhalten Lecture Performances und die Organisation von Konferenzen wie EUROPA DEN RÄTEN! an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo er in der ersten Spielzeit der Intendanz von René Pollesch als Dramaturg tätig war und eine Diskursreihe im Roten Salon kuratierte. Darüber hinaus ist er im Kuratorium der Stiftung KOMMUNIKATIONSAUFBAU tätig und hat den „Albert O. Hirschman Preis für Einmischung, Widerspruch und Erneuerung demokratischer Kultur“ mit ins Leben gerufen. Er ist Herausgeber der Neuausgabe von dessen Schlüsselwerk „Exit, Voice, & Loyalty“. Zurzeit organisiert er die Reihe „Denken für die Zukunft: Der Albert O. Hirschman Effekt“ im Theater im Aufbau Haus.

     

  • Nicola Nord

    Theatermacherin, Performerin und Sängerin. Nach dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt am Main, Künstlerinnen-Stipendium bei DasArts, Amsterdam, wo sie mit dem Stück little red (play): herstory abschloss. Mitbegründerin von andcompany&Co., dort arbeitet sie hauptsächlich als Regisseurin, Co-Autorin und Performerin. Lebt in Berlin.

  • Joachim Robbrecht

    Der flämische Autor, Regisseur und Schauspieler arbeitet an zahlreichen Produktionshäusern in den Niederlanden u.a. mit Kollektiven wie Warme Winkel, Wunderbaum, Toneelgroup Amsterdam. In seinen Arbeiten thematisiert er immer wieder die Sicht auf die Niederlande aus der Perspektive des Fremden. Nach „Der (kommende) Aufstand nach Friedrich Schiller“ in 2012 nun zweite Zusammenarbeit mit andcompany&Co.

  • Sascha Sulimma

    Theatermacher, Music-producer, Performer und DJ. Mitbegründer von andcompany&Co., dort arbeitet er hauptsächlich als Musiker, Ko-Regisseur und Performer. Von 1998-2002 veranstaltete er Partyreihen in Clubs in Frankfurt am Main, remixt seit 2002 Brecht und Weill-Fragmente zu BRECHTBEATZ und gründete 2006 das andco.-Soundsystem. Neben den Projekten mit andcompany&Co. produziert er elektronische Musik und spielt DJ Sets. Lebt und arbeitet in Berlin.